Der Weg zum Traumjob für neurodiverse Personen, Teil 7
Plan A ist bei vielen klar definiert: Man finanziert seine Ausbildung oder sein Studium weitestgehend selbst. Man arbeitet nebenbei, lernt, mit Geld umzugehen, und hat dieses angenehme Gefühl von „Ich kriege mein Leben auf die Reihe“ – ein klares Kontrastprogramm zu dem, sich für Fördermöglichkeiten zu interessieren.
Bei mir lief das lange genauso. Anfangs finanzierte meine Familie meine Ausbildung. Im Studium hieß es dann: Eigenanteil erwirtschaften. Also arbeitete ich parallel in einer Stelle, die klang wie aus einem Imagefilm: Krisenmanagement/Governance Security, großer Konzern, ein Jahrhundert lang am Markt, über 150.000 Mitarbeitende. Ein Traumjob für klassische BetriebswirtInnen – und objektiv betrachtet wirklich richtig gut. Ich verdiente ordentlich. So ordentlich, dass ich mein Leben finanzieren konnte, mir ein bisschen Komfort leistete und auf das monatliche Geld meiner Familie noch etwas drauflegte. Ich war offiziell im Club der „Das klappt schon“-Menschen.
Und dann kam ungefragt Plan B – ein Privileg Deutschlands
Heute lebe ich von Übergangsgeld. Ein Wort, das klingt, als würde man kurz über eine Pfütze hüpfen – dabei ist es eher eine stabile Brücke über einem ziemlich tiefen Graben.
Davon, dass es so etwas gibt, hatte ich nicht einmal eine Ahnung, ehe ich es beantragt hatte. Aber ich hatte ja auch keine Ahnung davon, dass es berufliche Rehabilitationen gab.
Übergangsgeld bekomme ich von der Agentur für Arbeit im Rahmen dieser beruflichen Reha.
Es ist mein Plan B, weil sich Plan A aus gesundheitlichen Gründen verabschiedet hat. Und nein, Plan B fühlt sich anfangs nicht glamourös an. Eher nach: „Wie erkläre ich das Normalsterblichen jetzt am besten?“
Wir reden viel über Eigenverantwortung, Durchhalten und Leistung. Weniger darüber, dass Menschen an den Punkt kommen können, an dem der bisherige Weg der Selbstfinanzierung nicht mehr möglich oder tragfähig ist.
Fördermöglichkeiten sind hierbei keine geheimen Schlupflöcher und auch kein Trick.
Sie sind da, weil Menschen keine Maschinen sind. Manche stürzen. Manche bremsen. Manche merken, dass sie jahrelang in die falsche Richtung gelaufen sind. Wie ich. Und genau dafür gibt es einen Plan B.
Dass ich heute Übergangsgeld erhalte, bedeutet nicht, dass ich weniger kann. Es bedeutet, dass ich an einem Punkt ehrlich zu mir war und gesagt habe: »So geht es nicht weiter.«
Es sorgt dafür, dass man während einer Reha nicht zusätzlich den Nervenkitzel „Wie bezahle ich nächsten Monat meine Miete?“ erlebt. Es orientiert sich am bisherigen Einkommen und ist stabil genug, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Gesund zu werden und neu zu denken. Inzwischen halte ich das für einen unterschätzten Luxus, den man in Deutschland – im Gegensatz zu vielen anderen Ländern – beantragen kann.
Ein Neustart mit Stützrädchen
Was viele nicht wissen, ist, dass die Agentur für Arbeit an vielen Stellen die Möglichkeit hat, einen finanziell zu unterstützen. Sie ist ein bisschen wie dieser eine Freund, von dem man lange denkt, er hätte nur eine Lösung parat – und dann merkt man: „Oh. Da ist ja ein ganzes Buffet.“
Viele kennen Arbeitslosengeld 1, Übergangsgeld und den Bildungsgutschein. Das sind die Klassiker. Die Spaghetti mit Tomatensoße unter den Förderungen. Solide. Bewährt. Aber eben nicht alles. Denn daneben gibt es eine ganze Reihe weiterer Unterstützungen, die einem helfen sollen, nicht nur mehr oder weniger zu überleben, sondern sich beruflich neu aufzustellen, ohne dabei komplett die Nerven oder die Miete zu verlieren.
Das Arbeitslosengeld 1 erhält man, wenn man arbeitslos ist oder weniger als 15 Stunden pro Woche arbeitet, bei der Agentur für Arbeit als arbeitslos gemeldet ist und in den vergangenen 30 Monaten mindestens 12 Monate (in Voll- oder Teilzeit) sozialversicherungspflichtig gearbeitet hat.
Beantragen kannst du es, indem du dich sofort – also am Tag deiner Kündigung – oder spätestens 3 Monate vor Ende des Jobs bei der Agentur für Arbeit als „arbeitssuchend“ meldest. Zudem musst du dich am ersten Tag deiner Arbeitslosigkeit als „arbeitslos“ melden. Ergänzend zu diesen beiden ersten Schritten hast du den Antrag auf Arbeitslosengeld 1 zu stellen. Das geht online bei der Agentur für Arbeit und dafür benötigst du deine Kündigung, deinen Arbeitsvertrag, deine letzte Gehaltsabrechnung sowie deine Steuer-ID und deine Bankverbindung, auf die das Arbeitslosengeld 1 ausgezahlt werden soll.
Die Höhe des Arbeitslosengeldes 1 sind 60% deines bisherigen Nettogehalts, wenn du kein Kind hast, und 67%, wenn du ein Kind hast. Erhalten kannst du es über einen Zeitraum von 6, 12 oder 24 Monaten – abhängig von deinem Alter und deiner Vorbeschäftigung.
Das Übergangsgeld kannst du als Einkommensersatzleistung erhalten, wenn du aus gesundheitlichen Gründen nicht (mehr) in deinem bisherigen Beruf arbeiten kannst oder an einer medizinischen oder beruflichen Reha teilnimmst. Diese Leistung wird auch gezahlt, wenn du eine Umschulung machst oder wenn du eine Arbeits- oder Belastungserprobung machst.
Es wird üblicherweise von der Deutschen Rentenversicherung oder von der Agentur für Arbeit gezahlt.
Beantragen kannst du es, indem du einen Reha-Träger findest. In deren Mitwirkung füllst du den Antrag aus und legst eine dafür sprechende ärztliche Einschätzung (von einer Klinik oder deiner/m behandelnden Therapeut/in) sowie eine Empfehlung zu einer Reha oder beruflichen Maßnahme bei.
Die Höhe des Übergangsgeldes sind 68 bis 75% deines letzten Nettogehalts und damit ist es oft höher als das Arbeitslosengeld 1 – vor allem bei längerer Vorbeschäftigung.
Einen Bildungsgutschein stellt – im Gegensatz zu den beiden vorherigen Fördermöglichkeiten – eine Zusage dar, dass eine Weiterbildung oder Umschulung seitens der Agentur für Arbeit für dich bezahlt wird. Übernommen werden Lehrgangskosten, Prüfungsgebühren, Fahrtkosten sowie die Kosten für die Kinderbetreuung und Lernmittel.
Mit hohen Chancen kannst du einen Bildungsgutschein bekommen, wenn du arbeitslos bist oder von Arbeitslosigkeit bedroht bist. Auch sollte die Weiterbildung/Umschulung deine Jobchancen realistisch verbessern. Zudem sollte die Maßnahme, die du dir ausgesucht hast, AZAV-zertifiziert sein, zu deinem Profil passen und am Arbeitsmarkt gebraucht werden.
Sollten diese Punkte alle zutreffen, kannst du einen Termin bei der Agentur für Arbeit (oder beim Jobcenter) machen. In diesem wird geklärt, was dein berufliches Ziel ist und warum dir diese Weiterbildung/Umschulung weiterhilft. Bereite dich gut darauf vor, indem du ausgewählte Maßnahmen mitbringst, die du z.B. über „mein Now“ von der Agentur für Arbeit gefunden hast.
Sollte das alles passen, wird dir ein Bildungsgutschein ausgestellt, mit dem du dich beim Bildungsträger anmelden kannst.
Wenn das Arbeitslosengeld 1 einmal nicht mehr reicht oder man in einer längeren Übergangsphase steckt, existieren ergänzende Leistungen wie das Bürgergeld (formal vom Jobcenter, aber thematisch eng verwandt). Kein Glamour, kein Karriere-Boost – aber eine Existenzabsicherung. Und manchmal ist genau das die Basis, auf der man wieder klar denken kann.
Bürgergeld bekommt man, wenn man erwerbsfähig ist (mind. 3 Std./Tag arbeitsfähig), den Lebensunterhalt nicht selbst decken kann und kein oder nur geringes Vermögen hat.
Entsprechend des Standes des Jahrs 2026 wird ein monatlicher Regelsatz in Höhe von 563€ bei Alleinstehenden/Alleinerziehenden gezahlt. Paare erhalten 506€ pro Person und Erwachsene im Alter von 18–24, die im Haushalt der Eltern leben, erhalten 451€. Es gibt neben dem auch einen Regelsatz für Kinder und Jugendliche, den man leicht mithilfe von Google herausfinden kann.
Zudem werden die Miete und die Heizkosten gezahlt, sollten sie in einer angemessenen Höhe sein (also kein Luxus-Appartement im Herzen einer Großstadt).
Beantragen kann man Bürgergeld online oder vor Ort beim Jobcenter. Einzureichen sind dafür die Nachweise über das monatliche Einkommen, das Vermögen und den Mietvertrag.
Bewilligt wird Bürgergeld üblicherweise rückwirkend ab Antragseingang.
Neben diesen Fördermöglichkeiten gibt es aber auch noch den Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein – ein wenig wie ein offizieller Freifahrtschein für Coaching, Berufsorientierung oder Bewerbungsunterstützung. Frei nach dem Motto: »Du musst das hier nicht allein herausfinden. Such dir bitte Hilfe – wir zahlen.« Eine überraschend fürsorgliche Botschaft für eine Behörde.
Diesen bekommst du, wenn du dich neu orientierst oder (noch) keinen Job hast. Bspw. wenn du Arbeitslosengeld 1 oder Bürgergeld beziehst, von der Arbeitslosigkeit bedroht bist oder nach einer Krankheit oder Krise wieder einsteigen willst.
Mache hierfür einen Termin bei der Agentur für Arbeit oder beim Jobcenter aus, erkläre, wo du gerade stehst und wobei du gerade Unterstützung benötigst. Im Anschluss kannst du dir den Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein als Ermessensleistung ausstellen lassen, nachdem du konkret klar gemacht hast, wofür du den Gutschein einsetzen möchtest. Such dir daher bereits im Voraus einen passenden, zertifizierten Träger, über den du deine Maßnahme wahrnimmst.
Nutzen kannst du ihn für Bewerbungs- und Einzelcoachings (psychosozial oder beruflich), Aktivierungsmaßnahmen, ein Existenzgründungscoaching oder für die Vermittlung durch private Träger.
Neben diesem gibt es noch das Weiterbildungsgeld und Prämien für bestandene Prüfungen. Ja, richtig gelesen: Geld dafür, dass man etwas lernt und es durchzieht. Ein Konzept, das man aus der Schule leider nicht kennt, das aber sehr motivierend sein kann – vor allem, wenn man zwischendurch kurz davor ist, alles hinzuwerfen.
Das Weiterbildungsgeld kannst du erhalten, wenn du Arbeitslosengeld 1 oder Bürgergeld empfängst und an einer von der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter geförderten Weiterbildung teilnimmst. Wichtig dabei ist, dass die Weiterbildung mindestens 8 Wochen dauert und dich auf einen anerkannten Berufsabschluss vorbereitet.
Bekommen kannst du es in Höhe von 150€ monatlich (steuerfrei), sobald du eine Weiterbildung oder Umschulung mithilfe eines Bildungsgutscheins machst und die automatische Prüfung durch die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter durchgeführt wurde. Entscheidend ist hierbei, dass die Weiterbildung/Umschulung ein Berufsabschluss-Niveau mit sich bringt.
Die Weiterbildungsprämien für bestandene Prüfungen erhältst du, wenn du eine Weiterbildung/Umschulung mithilfe eines Bildungsgutscheins machst, die zu einem anerkannten Berufsabschluss führt, und diese durch die Agentur für Arbeit, das Jobcenter oder die Rentenversicherung gefördert wird.
Hierbei ist relevant, dass du deine Prüfungen bestehst und einen Nachweis dafür (z.B. ein Prüfungszeugnis) einreichst. Im Anschluss erhältst du – automatisch oder auf Antrag – eine Zahlung in Höhe von 1.000€ für die bestandene Zwischenprüfung und 1.500€ für die bestandene Abschlussprüfung.
Für Menschen, die mit dem Gedanken an Selbstständigkeit spielen, gibt es ebenfalls Fördermöglichkeiten – allerdings mit klaren Regeln, Zeitlimits und der subtilen Botschaft: »Probier es, aber sei bitte realistisch.« Die Agentur ist hier weniger Cheerleader und mehr Sicherheitsnetz mit Stoppuhr.
Hier gibt es zwei Wege. Entweder über den Gründungszuschuss (aus dem Arbeitslosengeld 1 heraus) oder über das Einstiegsgeld (aus dem Bürgergeld heraus).
Um den Gründungszuschuss zu erhalten, ist die Voraussetzung, dass du Arbeitslosengeld 1 erhältst und noch mindestens 150 Tage Anspruch darauf hast. Ebenfalls muss deine Selbstständigkeit hauptberuflich und wirtschaftlich tragfähig sein.
Hierfür benötigst du einen stichfesten Businessplan, eine Tragfähigkeitsbescheinigung (von der IHK, der HWK oder einem/einer SteuerberaterIn) und den ausgefüllten Antrag bei der Agentur für Arbeit. Anschließend findet die Entscheidung statt – hierbei wird entschieden, ob diese Form einer sogenannten Ermessensleistung gezahlt wird.
Worauf du hoffen kannst: Die Weiterzahlung deines Arbeitslosengeldes 1 sowie monatlich weitere 300€ on top, um dich sozial versichern zu können. Gezahlt wird dieser Gründungszuschuss für 6 Monate, jedoch besteht die Chance auf Verlängerung.
Um hingegen Einstiegsgeld zu erhalten, ist die Voraussetzung, dass du Bürgergeld beziehst und den Antrag vor der Gründung deiner Selbstständigkeit ausfüllst und abgibst.
Sprich dafür im Vorfeld deiner Gründung mit deiner/m Betreuer/in vom Jobcenter und informiere sie/ihn darüber, was du vorhast, warum diese Tätigkeit sinnvoll ist und warum Einstiegsgeld dir hilft, stabil zu starten.
Auch in diesem Fall hast du eine Geschäftsidee, einen groben Finanzplan und eine Stellungnahme zur Tragfähigkeit der Tätigkeit abzugeben.
Das Einstiegsgeld wird wahrscheinlicher bewilligt, wenn klar wird, dass es deine Abhängigkeit vom Bürgergeld reduziert und nicht nur „irgendwie hilft“, sondern gezielt stabilisiert.
Die Höhe des Einstiegsgeldes variiert hierbei individuell. Es ist abhängig von der Dauer deiner vorherigen Arbeitslosigkeit, deiner Haushaltsgröße, deiner persönlichen Situation (z.B. Gesundheit, Alleinerziehend, Neurodiversität) und deiner Art der Tätigkeit in der Selbstständigkeit.
Erwarten kannst du monatlich zusätzlich bis zu 50% des Regelsatzes für 6 bis 24 Monate.
Kurz gesagt: Die Agentur für Arbeit ist kein Ort, an dem einem alle Träume erfüllt werden. Aber sie kann verhindern, dass man sie aufgibt, nur weil das Konto leer ist. Sie finanziert vielleicht nicht direkt die Berufung – aber sie kann viel Zeit, Raum und Struktur ermöglichen. Und das ist in Phasen der Neuorientierung unbezahlbar. Ein Hoch auf unseren Staat, dass wir sie haben.
Umschulung & Weiterbildung: Große Schritte machen
Lange Zeit dachte ich, dass „große Schritte“ laut sein müssen. Sichtbar. Radikal.
Kündigung, Umzug, kompletter Berufswechsel, neues Etikett. Alles andere fühlte sich für mich wie eine Symptombehandlung an – nicht wie eine echte Veränderung.
Heute weiß ich: Das stimmt nicht.
Manchmal sind große Schritte leise. Sie passieren nicht über Nacht, sondern über Monate. Sie fühlen sich mehr nach einem vorsichtigen Nach-vorne-Tasten an, anstelle eines Aufbruchs. Und genau das macht sie oft so nachhaltig.
In meiner eigenen Geschichte waren Umschulung und Weiterbildung lange mit einem Gefühl von Unverständnis belegt. Zu sehr hatte ich gelernt, dass man „durchziehen“ muss. Dass man sich nicht schon wieder neu ausrichten kann. Dass es irgendwann doch mal gut sein sollte mit der Suche. Doch je länger ich versuchte, mich in Rollen zu halten, die mir nicht mehr entsprachen, desto deutlicher wurde mir: Festhalten kostet oft mehr Energie als Loslassen.
Der Gedanke, nicht alles neu erfinden zu müssen, war eine enorme Erleichterung. Ich musste mein bisheriges Leben nicht entwerten, um weiterzugehen. Meine Ausbildung, mein Studium, meine Jahre in der Industrie – all das war nicht umsonst. Es war Material. Erfahrung. Substanz. Die Frage war nur: »Wie möchte ich damit weiterarbeiten?«
Eine Umschulung oder Weiterbildung, die ich heute anstrebe, bedeuten nicht, von vorn anzufangen. Sie bedeuten, den eigenen Weg ernst zu nehmen und ihn bewusst weiterzuentwickeln. Fähigkeiten neu zu bündeln. Interessen Raum zu geben, die bisher nur am Rand existieren durften. Und sich einzugestehen, dass man sich verändert hat – und damit auch die Anforderungen an die eigene Arbeit.
Was mir besonders geholfen hat, war der Gedanke, dass ich mir Zeit nehmen darf. Zeit, um zu lernen. Zeit, um mich auszuprobieren. Zeit, um Fehler zu machen, ohne dass sie gleich existenzbedrohend sind. Förderungen halten mir hier nicht nur finanziell den Rücken frei, sondern auch mental. Sie erlauben mir, Entscheidungen aus Klarheit zu treffen, nicht aus Angst.
Große Schritte zu machen, bedeutet für mich heute nicht mehr, alles hinter mir zu lassen. Es bedeutet, bewusst zu wählen. Mich nicht kleiner zu machen, nur um irgendwo hineinzupassen. Und mir einzugestehen, dass berufliche Entwicklung kein gerader Weg ist, sondern ein Prozess – einer, der sich wie Wellen anfühlen darf, nicht wie eine gerade Linie. Denn – mal ehrlich – mein Lebenslauf gleicht ohnehin schon einer Achterbahnfahrt, nicht der „straight line“.
Vielleicht ist genau das der Kern von Förderungsmöglichkeiten: Nicht ein neuer Titel, nicht ein neues Zertifikat, nicht der glatt gebügelte Lebenslauf. Sondern die Erlaubnis, sich selbst ernst zu nehmen – und die eigene Zukunft Schritt für Schritt so zu gestalten, dass sie tragfähig bleibt. Für den Körper. Für die Psyche. Und für das Leben, das man führen möchte.
Was du daraus für dich mitnehmen kannst
Dieses Kapitel lässt sich auf eine einfache, aber wichtige Erkenntnis herunterbrechen:
Du musst nicht alles allein stemmen – und schon gar nicht um jeden Preis.
Plan A ist schön, solange er trägt. Aber wenn er das nicht mehr tut, ist Plan B kein Versagen, sondern ein realistischer, verantwortungsvoller Schritt.
Damit du das konkret für dich nutzen kannst, hier ein paar Leitgedanken:
Trenne deinen Wert von deiner Finanzierungsform.
Ob du dich selbst finanzierst, Übergangsgeld bekommst oder eine andere Förderung nutzt, sagt nichts über deine Fähigkeiten, deinen Ehrgeiz oder deine Zukunft aus. Es sagt nur etwas über deine aktuelle Lebensphase. Menschen sind keine Maschinen mit Dauerleistung – und das System ist genau deshalb so aufgebaut, wie es ist. Nutze es, wenn du es kannst und möchtest.
Erlaube dir, Hilfe als Strategie zu sehen.
Förderungen sind kein Notnagel, sondern Werkzeuge. Sie existieren, damit du Zeit, Stabilität und Denkraum hast. Wer sie nutzt, handelt nicht schwach, sondern vorausschauend. Gerade in Phasen von Krankheit, Überlastung oder Neuorientierung ist finanzielle Absicherung kein Luxus, sondern die Basis für gute Entscheidungen.
Große Schritte müssen nicht radikal sein.
Ein beruflicher Neustart heißt nicht automatisch Kündigung, Chaos und kompletter Richtungswechsel. Umschulungen, Weiterbildungen oder ein neuer Fokus auf bestehende Kompetenzen können genauso große Schritte sein – nur leiser, nachhaltiger und oft gesünder.
Informiere dich früh und strukturiert.
Viele Leistungen greifen nur, wenn Anträge rechtzeitig gestellt werden. Melde dich sofort arbeitssuchend, sprich offen mit der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter und bereite dich gut auf die Gespräche vor. Je klarer du dein Ziel benennen kannst, desto besser stehen deine Chancen auf Unterstützung.
Plane mit deinem echten Energielevel – nicht mit Idealbildern.
Orientier dich bei Zielen und Maßnahmen nicht an dem, was „man“ schaffen sollte, sondern an dem, was für dich realistisch ist. Förderungen sind dazu da, tragfähige Perspektiven zu entwickeln – nicht, um dich erneut zu überfordern.
Sieh deinen Lebenslauf als Prozess, nicht als Beweisstück.
Umwege, Pausen, Rehas, Weiterbildungen oder Planwechsel machen deinen Weg nicht kaputt. Sie machen ihn menschlich. Und oft auch klarer. Entwicklung verläuft selten geradlinig – aber sie darf trotzdem sinnvoll sein.
Zum Schluss: Du darfst dir Zeit nehmen. Du darfst neu denken. Du darfst Unterstützung annehmen, ohne dich dafür zu rechtfertigen.
Nicht, um stehenzubleiben – sondern um weiterzugehen, auf eine Weise, die dich langfristig trägt.
